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Implantate

Ein Zahninplantat ist meist eine Titanschraube, die in den Knochen gesetzt wird und als künstliche Wurzel verwendet wird. Sie werden mittels Schraubengewinde in den Kieferknochen (enossale Implantate) eingedreht, die im Oberkieferknochen, aufgrund der weicheren Knochenqualität, 4 Monate und im Unterkieferknochen, wegen der härteren, kompakteren Knochenqualität 2 Monate, belastungsfrei einheilen sollen. Wenn die Implantate nach dieser Einheilphase fest im Knochen eingewachsen sind, Osseointegration genannt, können sie als stabile, belastungsfähige Träger bzw. Pfeiler für festsitzenden (Kronen oder Brücken) und abnehmbaren Zahnersatz (herausnehmbare Teil- und Totalprothesen) verwendet werden.

Implantate bestehen seit den 1980er Jahren hauptsächlich aus Titan, aber auch aus Keramik oder in seltensten Fällen aus Kunststoff. Im Gegensatz zur Orthopädie (Titanlegierung) werden Zahnimplantate aus Reintitan, mit einer äußerst guten Knochen- und Gewebeverträglichkeit (Biokompatibilität), hergestellt. Durch das Gewinde und der Konusform, eine zylindrische Grundform apikalwärts (zum Ende hin) schmäler werdend, hat das Implantat den Vorteil, sich sofort nach dem Eindrehen in den Kieferknochen „festzusetzen“ (primäre Stabilität) und somit kann die Einheilzeit verkürzt werden, da nur wenig Knochen nachwachsen muss. Der Grund für eine besonders gute Verträglichkeit liegt in der Eigenschaft des Titans mit Sauerstoff eine schützende Oxidschicht auf der Oberfläche zu bilden.

Damit Implantate im Mund des Patienten gesetzt werden dürfen, müssen sie, als sicheres Medizinprodukt (CE oder FDA- Zulassung), eine Zertifizierung (Zulassung) der Gesundheitsbehörde besitzen. Großteils haben sich solch zusammengesetzte, zweizeitige Implantatsysteme (Entfernung des Zahnes und Implantation in 2 Terminen) durchgesetzt, da sie durch ihre Kombinationsvariation zwischen Kronen- und Wurzelanteile der gegebenen Implantatposition angepasst werden können und durch das zweizeitige Vorgehen sichergestellt ist, dass die Einheilung (Osseointegaration)  der Titanschrauben durch eine zu frühe Belastung nicht gefährdet wird. Sie bestehen aus dem im Knochen liegenden Implantatkörper, und einem die Suprakonstruktion (Krone usw.) aufnehmenden Kopfteil, Abutment genannt. Diese zwei bis drei Teile werden meist miteinander verschraubt. Kronen, Brücken- oder Prothesenanker (Suprakonstruktion) werden ebenfalls häufig verschraubt, zementiert oder verklebt.

Früher wurden hauptsächlich im ästhetischen Bereich, Keramikimplantate  verwendet, die sich durch ein sehr gutes Einwachsen auszeichneten. Da die Keramik spröde ist und Alterungsprozessen unterliegt, kam  es häufig zu Brüchen dieser Implantate. Der Knochen als biologisches Gewebe, ermöglicht mehr oder weniger ausgeprägte Biegungen, welche die Keramik nicht mitmachen kann. Dies scheint wahrscheinlich auch der Grund für die erhöhte Bruchgefahr der Keramikimplantate im Gegensatz zu den Titanimplantaten, zu sein.

Zirconium-Oxid-Implantat

Dieses zeichnet sich durch den kosmetischen Vorteil bei einer Rückbildung des Zahnfleisches und des Knochens aus. Weiteres weist das Zirkoniumoxid eine mit dem Titan vergleichbare Gewebeverträglichkeit auf. Derzeit gibt es leider noch keine wissenschaftlichen Untersuchungsergebnisse über einen genauen Osseointegrationsgrad (Einheilungswahrscheinlichkeit) des Implantatkörpers. Jüngere Erfahrungsberichte zeigen häufig auftretende, knochenauflösende Entzündungsprozesse und damit verbunden, eine Verlustrate von über fünfzig Prozent im zwei Jahreszeitraum.

Indikationsverteilung von Zahnimplantaten

Die häufigste Indikation für das Setzen von Zahnimplantaten ist mit über neunzig Prozent der teilbezahnte Patient, wobei Einzelzahnlücken mit über fünfzig Prozent die häufigste Indikation für eine Implantatbehandlung darstellen. Bei rund 40% der Fälle muss zusätzlich, aufgrund eines zu geringen Knochenangebotes, ein künstliches Knochenersatzmaterial (Augmentation) in Form von Membrantechnik oder Sinusbodenelevation (das ist das Einbringen von künstlichen Knochenersatzmaterial zwischen Kieferhöhlenschleimhaut und Oberkieferknochen), verwendet werden. Durch die häufige Anwendung dieser beiden Augmentationstechniken (Knochenaufbautechniken)  konnten mit 53% mehr Implantate im Oberkiefer als im Unterkiefer inseriert werden.  Optimale Therapie des Zahnverlustes ist der Ersatz jedes einzelnen Zahnes durch ein Implantat. Jeder fehlende Zahn sollte, sofern die Nachbarzähne nicht behandlungsbedürftig sind, durch ein Implantat ersetzt werden.

Ein zahnloser Oberkiefer benötigt zur Verankerung eines festsitzenden Zahnersatzes 8 Implantate, ein zahnloser Unterkiefer 6 Implantate. Um einen herausnehmbaren Zahnersatz  verankern zu können, benötigt man im Oberkiefer 6 Implantate und im Unterkiefer 4 Implantate.

Mögliche Komplikationen:

Die häufigste Komplikation bei Zahnimplantaten besteht  in der Periimplantitis. Dies ist  eine Entzündung des Knochengewebes, das an das Zahnimplantat grenzt und der daraus resultierende Knochenabbau kann zu einem vorzeitigen Verlust des Implantates führen.

Wenn das Implantat mobil ist oder ein periimplantärer Knochenschwund von mehr als 1 mm im ersten Jahr vorliegt, wird eine solche Zahnimplantation als Misserfolg gewertet. Die Ursache darin liegt häufig in einer unsachgemäßen oder ungenügenden Mundhygiene des Patienten.

Die Periimplantitis  die auf einer Röntgenaufnahme erkennbar ist, kann durch prophylaktische Maßnahmen (regelmäßige professionelle Zahnreinigung ) in Kombination mit einer Antibiotikatherapie meist erfolgreich behandelt werden. Bei  zusammengesetzten Implantatsystemen zwischen Implantat und dem Aufbau (Abutment) sind Spalten und Hohlräume vorhanden, in die Keime aus der Mundhöhle eindringen können. Dort können sie Periimplantitis verursachen. Wenn Diabetiker eine Implantatversorgung erhalten, sollten sie gut eingestellt sein, um die Gefahr der Entzündungsneigung an den Zähnen zu reduzieren.

Bei Patienten mit Chemotherapie sollte aufgrund der eingeschränkten Immunabwehr und schlechten Regenerationsfähigkeit des Gewebes, während der Einheilungsphase der Implantate, erst einige Monate nach Ende der Chemotherapie implantiert werden.

Kieferaugmentation (Knochenaufbau)

Unter Kieferaufbau versteht man operative Verfahren, bei denen abgebauter, atrophierter Alveolarknochen im zahnlosen Anteil des Oberkiefers oder Unterkiefers wieder aufgebaut wird. Gründe für einen Knochenabbau des Kieferknochens können Zahnverlust, Parodontitis oder der Auflagedruck von Zahnprothesen sein.

Behandlungszeitpunkt

Werden Zahnimplantate direkt nach dem Zahnverlust gesetzt, spricht man von Sofortimplantaten, nach 2-8 Wochen von verzögerten Sofortimplantaten, und nach vollständiger, knöcherner Ausheilung des Zahnfaches von Spätimplantaten.

Eine Sofortimplantation sollte nur dann erfolgen, wenn nach der Extraktion des Zahnes (Zahnentfernung) die Alveole entzündungsfrei ist.  Bei verzögerter Sofortimplantation und bei der Spätimplantation ist das Risiko einer Infektion verringert. Sofortimplantationen oder verzögerte Sofortimplantationen (innerhalb von 2 Wochen) haben den Vorteil, dass der Knochenverlust und damit das Risiko eines ästhetischen Misserfolges minimiert wird.

Operationstechnik einer Implantation

Eine Zahnimplantation wird meist in Lokal- oder Leitungsanästhesie ambulant durchgeführt. Nach einem Mukoperiostschnitt wird die Schleimhaut aufgeklappt und das Implantatbett stufenweise, nach individuell festgelegter Länge und Durchmesser, aufbereitet. Die Präparation im Kieferknochen wird mit geringer Drehzahl der rotierenden Instrumente, möglichst geringem Druck und permanenter Kühlung mit physiologischer Kochsalzlösung ausgeführt um eine Überhitzung des Knochens zu vermeiden. Mit Hilfe eines Drehmomentschlüssels wird das Implantat eingebracht und mit 55µcm wird die nötige Primärstabilität erreicht. Nach dem Setzen der Implantate wird das Zahnfleisch wieder vernäht. Postoperative Komplikationen (wie Schwellung und stärkere Schmerzen) lassen sich bei entsprechender Nachsorge (kühle Umschläge, Medikamente….) weitgehend vermeiden und die äußere Wundheilung ist nach zehn Tagen normalerweise abgeschlossen. Abhängig von der Knochenqualität, folgt eine belastungsfreie Einheilphase.

Nachsorge

Direkt an der Naht soll eine intensive Reinigung mit einer harten Zahnbürste vermieden werden um nicht Wundheilungsstörungen zu provozieren. Das restliche Gebiss sollte sehr sorgfältig gereinigt werden. Eine antiseptische Mundspülung (Chlorhexidin zur Keimreduzierung) wird empfohlen.

In den ersten 48 Stunden nach der Implantation kommt der Infektionsprophylaxe (Vorbeugung) eine Schlüsselrolle zu. Von besonderer Wichtigkeit ist es im Operationsgebiet keine Prothesen zu verwenden oder diese zumindest hohl  zu schleifen um unkontrollierte Belastungen auf das Implantat zu vermeiden. Wegen der Infektionsgefahr sollten die Implantate regelmäßig (optimalerweise alle 3 Monate) kontrolliert werden um gegebenenfalls vorhandene Beläge (Plaque) vorzeitig entfernen zu können, um so der Entstehung einer Periimplantitis (Entzündung des ans Implantat grenzenden Gewebes) entgegen zu wirken. Rechtzeitig erkannte Infektionen können wesentlich besser und effizienter behandelt werden. Damit kann man einen ausgedehnten Knochenabbau optimalerweise verhindern. Bei größeren kieferchirurgischen Eingriffen ist es oft sinnvoller den Patienten stationär (im Krankenhaus) nach zu versorgen, beispielsweise bei großvolumigen Knochenaufbauten mit Knochentransplantationen aus der Hüfte. Um eine bakterielle Gefährdung der frischen Operationswunde im Mund zu vermeiden, erfolgt in solchen Fällen eine Ernährung des Patienten über einen Venenkatheter.